»Mitten hindurch oder außen herum?« von Roland Gabriel und Wolfgang Wirth
 
 

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Roland Gabriel, Wolfgang Wirth

Mitten hindurch oder außen herum?

Die lange Planungsgeschichte des
Autobahnrings München

 

Format: 23,5 x 29,7 cm
216 Seiten
Mit Fotografien und Infografiken
Zahlreiche Karten und Übersichtspläne als großformatige Klapptafeln

 

ISBN 978-3-943866-16-2

 

Erscheinungstermin: 22.11.2013

 

Buchhandelspreis:
29,50 Euro

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Mitten hindurch oder außen herum?

Die lange Planungsgeschichte der Autobahnverknüpfung München

 

Hinter dem Wort »Autobahnverknüpfung« verbirgt sich mehr, als man auf Anhieb vermuten könnte: Über 50 Trassenvarianten zur Zusammenführung der in München endenden Autobahnen sind auf Plänen überliefert, die schönsten davon sind in dem Buch in großformatigen Farbreproduktionen dargestellt und im zeitgenössischen Kontext kommentiert, darunter mehr als 10 Erstveröffentlichungen. Ein ganzer geometrischer Formenzoo an Autobahnlinienführungen ist da zusammengekommen: Ringe, Sterne, Kreuze, Tangentenlösungen, Sonderformen wie »Schale und Kern«, um nur einige zu nennen.

 

Die Autobahnzusammenführung wurde in München in den 1930er Jahren zur Planungsaufgabe, als in den ersten Trassenplänen für Nurauto- bzw. Kraftverkehrsstraßen oder Autobahnen nicht nur eine Strecke die Stadt berührte, sondern dort wenigstens eine weitere Autobahn abzweigte. Dann musste man trassierungstechnisch Farbe bekennen, in welcher Form und Lage dies geschehen sollte, insbesondere ob inner- oder außerhalb des Burgfriedens. Waren es anfangs nur die drei Autobahnen von Stuttgart, Nürnberg und Salzburg, die es zu verbinden galt, so liegt die Stadt heute in einem Strahlenkranz von acht Autobahnen, für deren Vernetzung eigentlich nur ein Ring in Frage kommt.

 
Reichsautobahn Baustelle Unterhaching

Reichsautobahn Baustelle Unterhaching

Zeichnung Henninger

Zeichnung Henninger

         
         
Autobahnplanung, Modell

Autobahnplanung, Modell

 
Plakat Ludwig Hohlwein

Plakat Ludwig Hohlwein

 
ADAC Motorwelt 1926

ADAC Motorwelt 1926

         
         

Fernstraßenkreuz München

Und da die Autobahntrassen im Wesentlichen auf den Spuren alter Handelswege wandeln, hat das Thema eine Vorgeschichte, die im Buch nicht zu kurz kommt. Während München mangels Existenz im Römerstraßennetz noch gar nicht vorkommt und im mittelalterlichen Fernstraßennetz auch nur mit dem Isarübergang in Föhring vertreten ist, liegt es nach der epochenmachenden Wegebeschreibung von Lüder 1779 im Schnittpunkt der Fernstraßen Innsbruck – München – Regensburg sowie Wien – Linz – München – Stuttgart.
München: ein Straßenkreuz von mitteleuropäischer Bedeutung also.

 

Reisen mit der Postkutsche

Damals war es ganz selbstverständlich, dass so eine Kreuzungsstelle mitten in der Stadt lag; denn Städte bezogen ihre wirtschaftliche Dynamik von solchen Verkehrsknotenpunkten: Gast- und Beherbergungsgewerbe, die Vorläufer der Autobahnraststätten, Pferdetränken, Wagnereien usw., die Vorläufer der Tankstellen und Autoreparaturwerkstätten, waren an den Einfallstraßen aufgereiht wie eine Perlenschnur, so in München z. B. im Tal, der Stadteinfahrt vom Isartor. Die Verkehrsteilnehmer sollten im Ort Halt machen, die im Reiseverkehr in Gasthöfen Geld lassen, die im Güterverkehr die transportierten Waren feilbieten, so wollte es das noch lange geltende »Stapelrecht«. Nur auf den Durchzug und das Quartiermachen von Truppen reagierten die Münchner zwiespältig: Er brachte zwar willkommenen Umsatz, hatte aber manchmal unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zu Spätfolgen mit neunmonatiger Verzögerung.

 

Die erste Umgehungsstraße

Zwar waren im 18. Jahrhundert die meisten Städte noch befestigt und hatten Stadttore, doch bestand – abgesehen von der umstrittenen Rechtslage – schon gar keine verkehrstechnische Möglichkeit, Truppen den Durchzug zu verwehren; es gab ja keine Umgehungsstraßen. In München ergriff 1796 Graf Rumford die Initiative und baute außerhalb der Mauern eine Umfahrung, die nach ihm benannte Chaussee. Das war die Geburtsstunde der Umgehungsstraße nach dem Motto »Durchgangsverkehr ’raus« – »Aber nur der unerwünschte!« würden die betroffenen Geschäftsleute gerne hinzusetzen.

         
         
Jakob Heilmann 1889

Jakob Heilmann 1889

 
Autobahnkreuz

Autobahnkreuz

 
Autobahn München, Wappenplan, 1950

Autobahn München, Wappenplan, 1950

         
         
Autobahn-Planer

Autobahnplanung 1953: Der Höggsche Stern

 
Luftbild

Luftbild

 
Straßennetz München, 1972

Straßennetz München, 1972

         
         

Verkehrspolitik in Stadt und Umland

Die Gründe, warum es im Laufe der achtzigjährigen Planungsgeschichte der Autobahnzusammenführung immer wieder zu Trassenänderungen kam, sind vielfältig. Potente Anlieger versuchten immer wieder, Einfluss auf die Führung der Autobahn zu nehmen, Privatleute und Unternehmen im sensiblen Dienstleistungsbereich die Linie möglichst weit weg von sich zu drücken, Gewerbe- und Industriebetriebe sie möglichst weit an sich heranzuziehen. Im Dritten Reich mussten sich die Planer auch mit den Trassenforderungen der Wehrmacht auseinandersetzen. Bis heute profitiert die Ringplanung wie viele große Infrastrukturmaßnahmen von der Schubwirkung von »Megaevents« wie Olympische Spiele, IGA oder Fußball-WM.

 

Manchmal beeinflussten die parteipolitischen Konstellationen in den verschiedenen Ebenen unseres föderativen Systems die Planung. Immer wieder gab es heftige Diskussionen zwischen Staat und Stadt, etwa über die Einschnürungswirkung einer Ringlinie für die Stadtentwicklung oder über den Entlastungseffekt der Autobahnzusammenführung für das städtische Straßennetz.
 

Autoverkehr in der Zukunft

Ganz entscheidend waren naturgemäß Fragen der Baulastträgerschaft und der Finanzierung. Die Projektgeschichte der Autobahnverknüpfung München ist auch ein Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftspolitischen Trends. Ging es früher hauptsächlich darum, ob der prognostizierte Verkehr den Bau einer Autobahn überhaupt rechtfertigt bzw.

 

ob das geplante Projekt nach seiner Fertigstellung auch immer ausreichend ausgelastet sein würde, so traten in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr die Gesamtverkehrsbetrachtung, also die Konkurrenz Individualverkehr / Öffentlicher Verkehr sowie Umweltschutz- und Ökologieaspekte in den Vordergrund – Stichwort »Lkw-Durchfahrtsverbot«. Zwei Themen sind aber über die 80 Jahre konstant auf der Agenda geblieben: die Umlandproblematik, also Aufteilungskämpfe zwischen der Kernstadt und den Gemeinden im »Speckgürtel«, sowie die Sorge um die Verkehrssicherheit und das Bemühen, mit der richtigen Autobahnplanung die Unfallzahl im Großraum München zu senken.

         
         
   
Schützenstraße

Schützenstraße

 
Rumford-Chaussee, 1796

Rumford-Chaussee, 1796