»Kraftwerk, Schule, Lazarett – Eine Geschichte des Gärtnerplatzviertels« von Anita Kuisle
 
 

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Anita Kuisle

Kraftwerk, Schule, Lazarett –
Eine Geschichte des Gärtnerplatzviertels

134 Seiten
190 Abbildungen, Karten und Pläne

Fotografische Dokumentation
des Heizkraftwerks

Format: 21 x 24,5 cm
Gebunden
ISBN 978-3-9813190-8-8

 

Preis

18,50 Euro
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Kraftwerk, Schule, Lazarett –
Eine Geschichte des Gärtnerplatzviertels

Wie durch ein Brennglas betrachtet, bündelt sich die Geschichte des Gärtnerplatzviertels im Werden und Vergehen der Bauwerke auf der Liegenschaft Müllerstraße 7. Von der Weite der Auenlandschaft über schlagartige Verstädterung, Kriegszerstörung, Wiederaufbau und das Wachsen städtischer Infrastruktur begleitet das Buch die Immobilie durch 250 Jahre Stadtgeschichte.

 
Bayerisches Militärlazarett 1858
Bayerisches Militärlazarett 1875

Bayerisches Militärlazarett
1858 (oben) und 1875 (unten)

 

1773–1887 Bayerisches Militärlazarett

1777 wurde mit dem Bau eines Militärlazaretts ein jahrhundertelanges Defizit der Garnisonsstadt München beseitigt. Das Lazarett entstand vor den Toren der Stadt in den Isarauen. Zum Gebäude gehörte die Theklakapelle, die der anliegenden Straße ihren Namen gab und bei deren Einweihung durch die Salutschüsse alle Fenster des neuen Lazaretts zu Bruch gingen. Im Verlauf von 100 Jahren umschloss die rasch wachsende Stadt das Lazarett von allen Seiten. Es wurde deshalb 1872 in einen Neubau auf dem Oberwiesenfeld verlegt.

         
         
Heizkraftwerk in der Müllerstraße
         

1945–2001 Heizkraftwerk Müllerstraße

       

Das Heizkraftwerk in der Müllerstraße war ein wesentlicher Baustein des innovativen Fernwärmesystems, das in München in den 1950er-Jahren begonnen und seitdem ständig erweitert wurde. Nach dem Krieg nutzte man den Wiederaufbau der zerstörten Stadt zur Einrichtung dieser Infrastruktur. Die treibende Kraft bei diesem Projekt war Dr. Karl Hencky, der ab September 1945 bei den städtischen Elektrizitätswerken beschäftigt war und diese ab April 1947 leitete.

 

1954/55 entstand der erste, 1956/57 der zweite Bauabschnitt des Werks mit jeweils zwei Kesseln, deren Dampf als Heizdampf und zur Stromerzeugung genutzt wurde. 1971 wurde das Werk um einen fünften Kessel erweitert. Das äußere Erscheinungsbild des Heizkraftwerks in der Müllerstraße prägte der Altmeister des deutschen Kraftwerksbaus, der Architekt Werner Issel. Sowohl das technische als auch das gestalterische Konzept des Werks setzten Maßstäbe im Kraftwerksbau.

 

Der Erfolg der Fernwärme in München bedingte indirekt die spätere Schließung des Werks in der Müllerstraße. Die neuen großen Werke Nord und Süd konnten über Verbundleitungen die ganze Stadt versorgen. Als das hohe Alter der Anlage und die gestiegenen Anforderungen an die Luftreinhaltung ab den 1980er-Jahren grundlegende Umbauten erfordert hätten, beschloss man, das Werk Müllerstraße schrittweise stillzulegen.

         
         
Luftschutzbunker in der Müllerstraße  

Luftschutzbunker

Der Hochbunker auf dem Gelände der Müllerstraße 5–7 war in den Jahren 1940/41 von der Stadt München im Auftrag und auf Rechnung des Deutschen Reichs errichtet worden. Er wurde als Bunker Nr. 40 geführt. Das Bauwerk war als Schutzraum für 500 Personen konzipiert. In seinem Äußeren war das Gebäude einem Wohnhaus nachgebildet. Walmdach und breite faschierte Fensterumrandungen um die Scharten waren wohl Elemente der Tarnung.

 

Lazarettbach

Der Bach, der das Grundstück des Heizkraftwerks durchquerte, war Teil des Münchner Stadtbachsystems, das seit dem Mittelalter bestand und sich aus der Isar speiste. Seinen Namen »Lazarettbach« hat er von der hier 1777 errichteten Anstalt erhalten. Für das Heizkraftwerk lieferte der Bach Kühlwasser. Als man ihn im Zuge der Auflassung der Münchner Stadtbäche im Jahr 1968 stilllegte, wurden im ehemaligen Bachbett Rohrleitungen verlegt, die Kühlwasser aus dem Westermühlbach zum Heizkraftwerk und zurück führten.

         
         

Luitpolds-Gymnasium in der Müllerstraße

 

1887–1944 Schulen in der Müllerstraße

Nach einigen Jahren der Zwischennutzung wurde das Lazarett in der Müllerstraße umgebaut zu Münchens viertem humanistischen Gymnasium, dem Luitpolds-Gymnasium. Es bestand von 1887 bis 1922. Dann zog ein neuer Schultypus in die Räume ein: das Neue Realgymnasium. Dieses wurde 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung des Landes in eine Oberschule für Jungen um­gewandelt. Im April 1919 war der Schulhof Schauplatz von Exekutionen gewesen.
Im zweiten Jahr seines Bestehens nahm das Gymnasium seinen später wohl berühmtesten Schüler auf:

 

Albert Einstein besuchte ab 1888/89 die Lateinklasse der Anstalt. Allerdings blieb der junge Albert nicht sehr lange, er verließ das Gymnasium nach Differenzen mit seinen Lehrern ohne Abschluss im Jahr 1894. Seit dem Schuljahr 1890/91 besuchte ein anderer besonderer Schüler das Luitpolds-Gymnasium in der Müllerstraße: Franz Marc. Er legte hier 1899 das Abitur ab.

Am 24. April 1944 erhielt das Schulgebäude einen Bombentreffer und brannte am folgenden Tag vollständig aus.

         
         
Fotografische Dokumentation des Heizkraftwerks Müllerstraße
         

Spurensuche: Fotografische Dokumentation des Heizkraftwerks

   

Das Heizkraftwerk Müllerstraße lieferte im Dezember 2001 seinen letzten Beitrag zur Strom- und Heizdampferzeugung in München. In den nachfolgenden Jahren wurde es Stück für Stück auch aus seinen anderen Funktionen für die Energieversorgung der Stadt herausgelöst.

 

Dabei wurden Teile der Ausstattung demontiert, insbesondere elektrische Schaltanlagen und die Dampfverteilung im Untergeschoß. Die drei großen Turbinensätze wurden verkauft. In den Kesselhäusern blieb dagegen die technische Ausstattung weitgehend erhalten.

 

In den Jahren nach der Stilllegung ist es gelungen, das Bauwerk weitgehend vor Vandalismus und Verwahrlosung zu schützen. Die Fotos, die 2008 für eine Dokumentation zum Heizkraftwerk aufgenommen wurden, vermitteln deshalb in den Innenräumen noch einen guten Eindruck aus der Betriebszeit.