»Jakob von Bauer: Grundzüge der Verfassung und Vermögensverwaltung der Stadtgemeinde München, 1845« von Klaus Bäumler (Hrsg.)
 
 

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Klaus Bäumler (Hrsg.)

Jakob von Bauer: Grundzüge der Verfassung und Vermögensverwaltung der Stadtgemeinde München, 1845

Materialien zur Kulturgeschichte der Stadt München

Herausgegeben von Klaus Bäumler

Nachdruck mit einem Vorwort von Klaus Bäumler

 

Broschiert: 292 Seiten Format: 13,5 x 20 cm

 

Franz Schiermeier Verlag München
ISBN 978-3-943866-14-8

 

Preis: 32,– Euro

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Mit dem nüchternen und historisierenden Titel »Grundzüge der Verfassung und Vermögens-Verwaltung der Stadtgemeinde München unter besonderer Rücksicht auf die dem Magistrat durch das Gemeinde-Edikt vom Jahre 1818 zugewiesenen Verwaltungszweige« hatte der erste Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt München Jakob Bauer einen Verwaltungsbericht publiziert.

Das Erscheinen seines Buches wurde zum Politikum.

 

Jakob Bauer hat seine Publikation ausdrücklich den Münchner Bürgern gewidmet und es mit Zustimmung von Magistrat und Gemeindekollegium in einer Auflage von 500 Exemplaren drucken lassen. Der Inhalt des Buches war politisch äußerst brisant, ein Konflikt vorprogrammiert. Jakob Bauer legte die prekäre Finanzlage der Stadt in deren Abhängigkeit von jenen hohen Beiträgen offen, die Ludwig I. über Jahrzehnte für den Umbau der Stadt zu seinem glanzvollen »Isar-Athen« eingefordert hatte. Dieser ungewöhnliche Schritt des ersten Bürgermeisters zeugte in den Augen der königlichen Obrigkeit von einer unerwünschten liberalen Gesinnung und wurde als öffentlicher Akt der Opposition gegen den Monarchen gewertet. Denn Jakob Bauer deckte minutiös den Zusammenhang zwischen der Finanznot der Stadt, ausgelöst durch die königlichen Forderungen und den dadurch nicht finanzierbaren, aber unverzichtbaren Infrastrukturmaßnahmen auf. Durch die Offenlegung der aufwändigen Kultur-Projekte, beginnend in der Kronprinzen-Zeit bis zum Jahr 1845 und der dadurch bedingten Finanznot der Stadt, war die Konfrontation mit Ludwig I. unvermeidlich. Der Monarch sah darin eine fundamentale Kritik seines Lebenswerks.

 

Die Regierung von Oberbayern unter ihrem Präsidenten Joseph Hörmann von Hörbach griff mit rigoroser Härte und Entschlossenheit durch. Der Verkauf des Buches wurde verboten, die bei Jakob Bauer noch gelagerten Exemplare konfisziert und die Rückgabe aller an städtische Mandatsträger und Bedienstete verteilten Bücher gefordert. Jeglicher Protest gegen die Zensurmaßnahmen blieb erfolglos.

 

Das sich abzeichnende Selbstbewusstsein der Stadtspitze, gestützt von Magistrat und Gemeindekollegium, konnte durch die drakonische Maßnahme der Regierung von Oberbayern zwar kurzfristig unterdrückt werden, war aber nicht mehr aufzuhalten. Bald schon musste die Staatsverwaltung nachgeben. Angesichts der labilen politischen Verhältnisse des Jahres 1848 werden die Sitzungen der Gemeindebevollmächtigten öffentlich und damit den interessierten Bürgern zugänglich.

 

Die Regierung von Oberbayern unter dem gemäßigten Bernhard Freiherr von Godin, der als Präsident die Nachfolge Hörmanns antritt, räumt zumindest ein, dass das konfiszierte Buch Jakob Bauers »an die beteiligten Gemeindemitglieder hierorts« abgegeben werden darf.

 

Am 19. Dezember 2012, zum 225. Geburtstag Jakob von Bauers wird sein 1845 durch die Staatskuratel konfisziertes Buch in einer kleinen Auflage neu aufgelegt. Durch diesen Akt der »Wiedergutmachung« soll an einen aufrechten und mutigen Politiker erinnert werden, der Mitte des 19. Jahrhunderts selbstbewusst die Eigenständigkeit der Stadt gegenüber der autokratisch geprägten königlichen Administration unter König Ludwig I. betonte und einforderte. Der Jurist Jakob von Bauer, der 1838 vom Staatsbeamten zum ersten Bürgermeister der Königlichen Haupt- und Residenzstadt avancierte, wird zu Recht als früher Vordenker und Vorkämpfer der demokratisch geprägten kommunalen Selbstverwaltung im 19. Jahrhundert gewürdigt. Die Neuauflage ist darüber hinaus einer Persönlichkeit gewidmet, die es wagte, die Ursachen der städtischen Finanzkrise offen zu legen, zu analysieren und gegenüber der Bürgerschaft und dem hierfür verantwortlichen Monarchen transparent zu machen. Über die dürren Fakten hinaus beschreibt Jakob von Bauer aber auch die Verfassungsgeschichte der Stadt, deren Baugeschichte, die Struktur der Verwaltung ab 1818 sowie die wirtschaftliche Situation der Kommune. Zugleich dokumentiert er selbstbewusst die von der Stadt durchgeführten kommunalen Infrastrukturmaßnahmen.

 

Das Buch ist ein faktenreiches Nachschlagewerk zur Kultur-Geschichte Münchens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vermittelt durch eine Persönlichkeit, die sechzehn Jahre, von 1838 bis 1854, mit großem Engagement die Geschicke der Stadt lenkte. Die Lektüre des Buches macht deutlich, dass das heutige Selbstverständnis bürgerschaftlichen Engagements, der Anspruch auf Information und Beteiligung sowie Mitentscheidung keine Selbstverständlichkeiten sind. Es sind dies Errungenschaften, die stets zu überdenken, zu aktualisieren und fortzuschreiben sind.