IndustrieKultur in München • Kalender 2018
 

Kalender 2018 • IndustrieKultur in München

 

Der Kalender zur Industriekultur in München soll das Bewusstsein wecken für die Bedeutung der Zeugnisse der Industriekultur in unserer Stadt. Als Beispiele zeigen die acht Autorinnen und Autoren verschwundene Fabriken, durch Abriss gefährdete Anlagen und erfolgreich umgenutzte Objekte. Wir wollen damit die Diskussion über den Umgang mit diesen historischen Gebäuden und Anlagen in Gang bringen. (aus der Einführung von Ludwig Eiber)

  Inhalt

Au-Haidhausen
Maximilianswerk / Muffatwerk / Paulaner-Zacherl-Brauerei

Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Braunauer Eisenbahnbrücke / Viehund Schlachthof

Pasing-Obermenzing
Pasinger Fabrik

Neuhausen-Nymphenburg
Paketposthalle / Eisenbahner-Baugenossenschaften

Berg am Laim
Fabrik München

Obergiesing-Fasangarten
Sammlung Mörtlbauer

Allach-Untermenzing
Diamalt AG

Schwabing-Freimann
Dampflokrichthalle Freimann
 
     
 

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Herausgegeben vom Archiv der Münchner Arbeiterbewegung e.V.

Autorinnen und Autoren:
Almuth David
Walter Demmel
Ludwig Eiber
Günter Kellerer
Alexander Markus Klotz
Anita Kuisle
Franz Schiermeier
Bernhard Schoßig

Redaktion:
Anita Kuisle

12 Kalenderblätter mit Einführung und zahlreichen Abbildungen

Preis: 12,- Euro
Versand innerhalb
Deutschlands: 6,- Euro

ISBN 978-3-943866-55-1

 

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Seiten aus dem Kalender

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Einführung von Ludwig Eiber

Der Abriss von Fabrikgebäuden und anderen Objekten der Industriekultur ist in München an der Tagesordnung. So verschwanden in den letzten Jahren Agfa, Rodenstock, Bernbacher und die Paulaner-Brauerei, um nur einige zu nennen. Es blieben keine Spuren zurück. Der Nutzungsdruck in unserer Stadt ist sehr groß. Sobald Unternehmen die Produktion am Standort München einstellen oder Infrastrukturobjekte wie Bahnanlagen, Nahrungsmittel- und Energieversorgung ihre Funktion verlieren, wird der Abriss diskutiert.

So stehen im Augenblick beispielsweise zur Debatte: Osram-Gelände, Deckel-Werkshallen, Maxwerk, Optimolgelände sowie städtische Anlagen wie Straßenbahndepot Laim, Großmarkthalle, Viehhof. Nur wenige Objekte stehen auf der Denkmalliste und sind damit einigermaßen geschützt.

Nur selten wird eine Umnutzung in Betracht gezogen. Der Trend geht im Augenblick zur großräumigen und radikalen Beseitigung und zur nachfolgenden Bebauung mit Wohn- oder Bürogebäuden. Investoren besitzen großen Einfluss und üben einen immensen Druck auf die Stadt aus. Deren Streben nach Expansion und Intensivierung des Wohnungsbaus begünstigt die Beseitigung alter Gebäude und Einrichtungen. München hat sich immer eher als prunkvolle Residenzstadt, als Hauptstadt mit umfangreicher Staats-, Bezirks- und Kommunalverwaltung und als Finanz- und Versicherungszentrum verstanden. Dabei ist München auch heute noch ein industrielles Zentrum. Das industrielle Wachstum beginnt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert mit Eisenbahnbau und Industrialisierung. Aufrüstung und Rüstungsproduktion geben im Ersten und Zweiten Weltkrieg starke Impulse für Industrieansiedlung und Ausbau der Infrastruktur.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Wiederaufbau auch vom Entstehen neuer Großunternehmen wie Siemens oder BMW geprägt. Aber immer war der Aufstieg auch mit Abstieg verbunden, Firmen verschwanden wegen Misswirtschaft oder im Strukturwandel, ganze Produktionszweige gingen verloren, wie z.B. der Fahrradbau, der Motorradbau (Zündapp) oder die Elektrogeräteproduktion (Siemens). Mit der Globalisierung und der Digitialisierung der letzten Jahrzehnte beschleunigte sich der Prozess, Unternehmen verlegten ihre Produktion ins Ausland, neue Technologien ließen Berufe und Betriebsab-teilungen verschwinden. Der durchaus reichhaltige Bestand Münchens an historischen Fabrikgebäuden, Infrastruktureinrichtungen und -anlagen steht heute mehr denn je zur Debatte.
  Viel zu wenige Architekten sind ernsthaft am Bauen im Bestand interessiert oder dafür ausgebildet. Meist werden vorschnell hohe Kosten bei einer Umnutzung konstatiert. Bei der Beurteilung der Denkmalwürdigkeit von Gebäuden zählt meist nur deren architekturhistorische Bedeutung.

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt zu bedenken. Diese Fabriken und Anlagen sind Zeugnisse des Arbeitslebens und von Lebenswelten, sie sind Objekte der Industriekultur. Eine Fabrik wie Agfa, das sind nicht nur Werks- und Lagerhallen und Verwaltung, es ist auch der Ort, an dem ein großer Teil der Menschen aus Giesing, Haidhausen, Au, Harlaching seinen Arbeitstag verbrachte. Die meiste Zeit des Wachseins standen sie an ihrem Arbeitsplatz. Die Fabrik war ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Und damit waren diese Fabriken zentrale Orte des Stadtteillebens und der Stadtteilgeschichte. Sie sind Teil unserer Geschichte und haben ein Recht auf einen reflektierten Umgang. Sie spurlos zu beseitigen ist eine Schande. Wenn eine Erhaltung im Ganzen nicht möglich ist, dann sollten zumindest Relikte, die auf sie verweisen, erhalten bleiben. Und eine sorgfältige Dokumentation, noch in der Zeit der regulären Arbeit, sollte selbstverständlich sein.

Wir plädieren dafür, eine Umnutzung historischer Bauten in jedem Fall prüfen zu lassen. Gelungene Beispiele aus München sind die Diamaltfabrik in Allach (Wohnungsbau und Kulturzentrum), die Wiedefabrik in Berg am Laim (Kunst- und Wohngenossenschaft), das Muffatwerk (Kulturzentrum) oder die Lokomotivenhalle in Freimann (Motorworld, Baumarkt).

Dieser Kalender soll das Bewusstsein für die historische Bedeutung der Zeugnisse der Industriekultur wecken. Wir zeigen Beispiele von verschwundenen Fabriken, durch Abriss gefährdeten Anlagen oder erfolgreich umgenutzten Objekten. Wir wollen hier in München die Diskussion über den Umgang mit historischen Gebäuden und Anlagen in Gang bringen.

Ludwig Eiber
 
Maxwerk
 
Mörtlbauer