Westend • Reiseführer für Münchner
 

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Franz Schiermeier

Westend • Reiseführer für Münchner

 

176 Seiten, viele Abbildungen
und Karten
Format 14,5 x 21,5 cm
Broschurbindung

 

ISBN 978-3-943866-18-6

 

Buchhandelspreis:
16,90 Euro

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Preise inkl. MwSt

 

erscheint im August 2014

 

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Franz Schiermeier
Westend • Reiseführer für Münchner

Das Westend, offiziell die Schwanthalerhöhe, ist einer der wenigen Stadtbezirke in München, der nicht aus einem alten Dorfkern hervorgegangen ist. Das Gebiet gehörte lange zu Sendling bzw. zu Neuhausen, erst 1877 wurde das Westend ein eigener Stadtbezirk. Trotz der Nähe zur Hauptverkehrsstraße nach Pasing blieb die Gegend lange unbesiedelt. Kurz vor 1800 entstanden die ersten Wohnhäuser im Bereich der heutigen Holzapfelstraße, nach 1800 wurde das Gebiet für die Münchner Brauer interessant, die in den Hängen große Bierkeller anlegten. Hier wurde das in der Innenstadt gebraute Bier gelagert. Mindestens acht Bierkeller u.a. der Brauereien Pschorr und Hacker entstanden direkt an der Hangkante und wurden schließlich zu beliebten Bierwirtschaften. Nur noch die Augustinerbrauerei hält heute noch an ihrem Standort fest.

 
Bavariapark 1895

Bavariapark 1895

         

Die größte Frau Münchens

Auf der Anhöhe über der heutigen Theresienwiese, 1810 Standort eines Pferderennens zu Ehren der kgl. Brautleute Ludwig und Therese, lässt König Ludwig I. ab 1826 für seine Gattin einen Park anlegen und bis 1850 eine Ruhmeshalle für verdiente Bayern mit der Monumentalfigur der Bavaria, heute das bekannteste Standbild in Bayern. Auf die Theresienhöhe wird schließlich auch die kgl. Schießstätte verlegt und zum Jubiläumsjahr der Stadtgründung 1908 die großzügig geplanten Hallen für den Münchner Messebetrieb, der hier bis 1998 blieb und den östlichen Rand des Westends definierte.

 
Bavaria und Ruhmeshalle

Bavaria und Ruhmeshalle

         
         
Spielplatz auf dem Bahndeckel

Spielplatz auf dem Bahndeckel

 
Ledigenheim

Ledigenheim

 
Hauptrestaurant der Ausstellungshallen

Hauptrestaurant der Ausstellungshallen

         

Der Würgegriff der Eisenbahn

An den drei übrigen Himmelsrichtungen engt die Bahn das Viertel ein: im Norden die Hauptstrecke nach Augsburg und im Westen und Süden seit 1871 die Abzweigung zum Ostbahnhof. Die Nähe zur Bahn wurde für viele Firmen von großer Bedeutung: für die Brauereien und mehrere große Betriebe wie die Firma Metzeler, Teer- und Dachpappenfabriken, Fassfabriken, Speditionen und Lagerbetriebe. Durch die massive Umweltverschmutzung wurde das Viertel aber auch unbrauchbar für eine hochwertige Verwertung als Villengegend: das Westend wurde ein klassisches Arbeiterviertel, in dem in einfach gebauten Häusern billige Arbeiterwohnungen entstanden.

 

Das rote Westend

Schon immer war das Westend ein Durchgangsviertel, eine angestammte Bevölkerung gab es zunächst nicht. Die Zuzügler v.a. aus den ländlichen Gegenden Bayerns haben hier mehr Zusammenhalt gesucht und gefunden, daraus erklärt sich auch das politische Engagement und das rege Vereinsleben bis zur NS-Zeit. Noch bei der letzten Reichstagswahl vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten gab es im Westend hohe Stimmenwerte für die KPD und SPD und zuvor erbitterte Saal- und Straßenschlachten mit den Nazi-Banden.

 

Genossenschaften und Messebetrieb

Es war kein Zufall, dass sich das Westend auch zu einer Hochburg der sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien entwickelt hat und dass hier einige der frühesten genossenschaftlichen Bauten und eine nach wie vor vorbildliche Einrichtung wie das Ledigenheim entstanden sind, ja dass die Genossenschaftsbauten in ihrer großen Zahl und Qualität heute das Viertel besonders prägen, während der Messebetrieb seit 1908 zwar einen bedeutenden Aspekt für das Gewerbe des Viertels, weniger aber für seine Bewohner gebracht hat. Die Anlage der Messe läutete aber auch eine grundlegende Umstrukturierung des Viertels ein, die ihren Höhepunkt mit dem Auszug der Messe, dem Neubau eines ganzen Stadtviertels auf der Theresienhöhe und dem Einzug von Dienstleistungsfirmen gebracht hat.

         
         
Faßfabrik Drexler

Faßfabrik Drexler

 
Gollierplatz 2013

Gollierplatz 2013

 
Theresienwiese

Theresienwiese

         

Sanierung

       

Die im Vergleich zu anderen Stadtvierteln eher geringen Schäden durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg haben zunächst einen Ausbau verhindert, der Charakter des »Glasscherbenviertels« hat lange vor einer einseitigen Aufwertung geschützt und neue Zuzügler, diesmal aus fremderen Ländern in das Viertel gezogen. Eine wirkliche Krise in der gesellschaftlichen Entwicklung entstand erst mit der Sanierung großflächiger Bereiche. Die förmliche Sanierung des Westends nach einem

 

Stadtratsbeschluss von 1977 bewirkte eine grundlegende Änderung: die umweltbelastenden Betriebe wurden verlagert oder beendeten ihre Produktion, auf den Flächen entstanden neue Genossenschaftsbauten und Sozialwohnungen. Mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, einer neuen U-Bahn-Linie und dem Bau eines Tunnels für den Mittleren Ring südlich der Donnersberger Brücke wurden auch viele private Wohngebäude saniert.

 

Heute ist der Stadtbezirk 8 Schwanthalerhöhe einer der am dichtest besiedelten der Stadt und hat einen der höchsten Anteile an Bewohnern mit einem Migrationshintergrund in München. Dass dies nicht wie in Stadtvierteln anderer deutscher Städte zu einem ungelösten Problem geworden ist, erklärt sich vielleicht aus der Tradition des Umgangs der Bewohner miteinander und einer unvoreingenommenen Handlungsweise der kommunalen Politiker vor Ort.

 

         
         

Das Buch zeigt in fünf Abschnitten die historisch bedeutenden Fakten, Orte und Gebäude auf detaillierten Kartenausschnitten, mit zahlreichen Bildern und umfassenden Texten zur Geschichte, Kultur und gesellschaftlichen Entwicklung. Ergänzt werden die Beschreibungen durch Hinweise auf Restaurants, Cafes und besondere Läden.

 
Augustiner

Augustiner

 
Augustiner Belegschaft

Augustiner Belegschaft

         
         
Spatenkeller, 1909   St. Rupert, Kirche am Gollierplatz (im Bau)   Mollblock, Ganghoferstraße

Spatenkeller, 1909

 

St. Rupert, Kirche am Gollierplatz (im Bau)

 

Mollblock, Ganghoferstraße

         
         

Doppelseiten aus dem Buch
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