»Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten« von Linda Benedikt
 
 

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Linda Benedikt

Gedanken über die Liebe
und andere Absurditäten

140 Seiten
mit Zeichnungen der Autorin
Format 19 x 13,8 cm
Hardcover
ISBN-13: 978-3980914789

 

Preis

14,50 Euro
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Gedanken über Liebe
und andere Absurditäten

Melancholische, unterhaltsame und absurde Geschichten über ausgesiedelte Herzen, Weihnachten auf dem Friedhof, warum wir alle eine Supermarkttomatenliebe suchen und wen man finden muss, damit man im Leben mindestens 3467 mal glücklich wird.

 

Linda Benedikt geboren am 29. August 1972 in München. Absolvierung des Kindergartens, sowie Grundschule und Gymnasium. Studium BA Politics & Hebrew, School of Oriental & African Studies (SOAS), London und Universität Haifa, Ma Israeli & Jewish Diaspora Studies, SOAS, London. Praktika und freie Mitarbeit u.a. Abendzeitung, München, Der Standard, Wien, B’Tselem, Jerusalem.

  Illustration von Linda Benedikt aus »Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten«

Seit 7. Januar 2005 freie Autorin und Redakteurin bei »Die Gazette«, München.

Im November 2005 erschien »Yitzhak Rabin – The Battle for Peace«, Haus Publishing, London.

Linda Benedikt ist die Enkeltochter des bekannten Fernsehmoderators Robert Lembke.

         
         
Illustration von Linda Benedikt aus »Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten« Illustration von Linda Benedikt aus »Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten« Illustration von Linda Benedikt aus »Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten« Illustration von Linda Benedikt aus »Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten«
         
         
Illustration von Linda Benedikt aus »Gedanken über die Liebe und andere Absurditäten«  

Wie ich auf den Hund kam

Eine Freundin musste fort. Eine dringende private Angelegenheit.
Ob ich ihren Hund hüten könnte, ja? nur für ein paar Tage. Ich hab’s nicht so mit Hunden, aber den ihren find ich recht nett, außerdem schmutzt er nicht allzu sehr und er hat so einen unglücklichen Ausdruck in den Augen, so einen Weltschmerzblick, nicht unähnlich dem meinen, dass ich mich nicht getraute, nein zu sagen.

Das Frauchen übergab mir lächelnd den Hund, eine Leine, und einen fast schon erschreckend großen Sack Hundefutter. Aber ich dachte: Der Hund wird halt viel laufen, ergo viel Energie verbrennen, daher der große Sack. Als sein Frauchen sich winkend verabschiedete, wünschte ich eine gute Reise, der Hund aber weinte.

Zur Aufheiterung der Hundeseele gingen wir Gassi. Wir spazierten an der Isar, der Hund war ein sehr freundlicher, schnell fand er Anschluss. Ich auch. Über Stunden liefen der Hund und ich an dem Tag die Isar entlang, zum Flaucher und zurück, ich warf Stocki und pritschelte mit ihm im Wasser. Am Abend nahm ich ihn mit in ein Lokal, er rollte sich vertraulich unter meinem Stuhl zusammen, und als ich aufstand um zu gehen stand er treu und erleichtert bei Fuß.

Nach einer kurzen letzten Runde gingen wir heim, der Hund bekam sein Futter in einer schönen, englischen Porzellanschüssel und ein Wasser. Er trank sehr viel, er aß sehr wenig. Ich dachte mir nicht viel dabei, legte mich ins Bett, der Hund legte sich zu meinen Füßen, wir schliefen selig ein. In der Nacht wachte der Hund zweimal auf, ich dreimal: Wir hatten schlecht geträumt.

Am nächsten Morgen gingen wir wieder spazieren, ebenso am Nachmittag. Da erreichte mich eine sms des Frauchens: Geht es euch gut? Uns geht es gut, schrieb ich zurück. Dann hörte ich nichts mehr vom Frauchen. Irgendwann ging der Sack zur Neige, ich kaufte einen neuen, zahllose Hundebesitzer wurden erst zu flüchtigen Bekannten, später zu regelmäßigen, man traf sich schließlich mehrmals täglich. Meine Freunde hingegen wendeten sich ab, ich konnte nicht mehr auf Parties gehen, denn der Hund mag keine laute Musik und allein sein mag er auch nicht. Zu mir selber lud ich niemanden mehr ein: der Hund mag auch fremde Menschen nicht und ich ertrug, nach der zweiten Freundeseinladung, sein betrübtes Gesicht nicht mehr.

Eines Abends aber, es war Winter und mir war scheußlich kalt, brachte ich dennoch Damenbesuch nach Hause. Aber die Dame ging bald wieder, es war ihr zu eng im Bett, so zu dritt. Manchmal tippte ich noch eine sms an das Frauchen, uns geht es gut, wie geht es dir? schrieb ich, aber nie bekam ich eine Antwort.

Der Hund und ich lernten einander kennen, und man darf sagen, wir kannten einander gut. Er wusste mit welchem Fuß ich morgens aufstand, ich lernte seine Blicke lesen, er saß unter meinem Tisch, wenn ich schrieb, ich lag abends neben ihm auf dem Boden und las ein Buch. Aus Herbst wurde Winter, aus Winter Frühling – Weihnachten hatten wir im kleinsten Kreis gefeiert – Ostern pilgerten wir nach Rom – zu Fuß, der Hund mag das Fliegen nicht – selig begrüßten wir den Mai. Ich stellte meine Garderobe um – der Hund ist weiß – ich verzichtete fürderhin auf Schwarz. Der Hund aß von meinen Tellern und ich manchmal aus seiner Schüssel. Wir teilten uns Wiener Würschtel, schlürften Karamalz beim Fußball Schauen, gemeinsam schliefen wir über einem Tatort auf dem Sofa ein.

Dann wurde es Sommer. Eines Abends schellte es unerwartet an der Haustüre, der Hund und ich waren gerade in der Badwanne, und unwillig öffneten wir die Türe. Es sei sein Frauchen, so gab die fremde Dame vor. Ich erkannte sie nicht, dem Hund erging es nicht anders. Ich ließ mir den Ausweis geben, der Hund sich die Hand. Tatsächlich, es war dem Hund sein Frauchen. Daher nahm es Hund und Leine, bedankte sich für’s Hüten, und ging. Da drehte sich der Hund kurz um, winkte, und ich weinte. Seitdem geh ich immer alleine über Stunden an der Isar spazieren, werfe mir Stöckchen und renne gegen den Wind. Vielleicht, ja vielleicht treffe ich ja den Hund.